Erinnern wir uns noch?

Jeder der schon einmal ein wichtiges Trauma (ein Unfall, eine Verletzung, ein akuter Krankheitszustand, ein Unglück…) erlitten hat, kann sich meistens gut an solches Ereignis erinnern. Die Zeit spielt dabei keine Rolle. Weil Babys und Kleinkinder noch kein ausgereiftes Erinnerungsvermögen entwickelt haben, können Sie sich in der Regel nicht an solchen Ereignisse erinnern. Bei Kindern könnte sogar  eine Unterdrückung  des Traumas aus einer physiologischen Notwendigkeit heraus entstehen. In physiologischen Rahmen könne man sich vorstellen, dass solcher Prozess eine tiefere Wachstum- und Entwicklungsstörung versucht zu vermeiden. Aus Kranial-Osteopathischer Sicht (siehe die Forschungsarbeiten von Dr. Viola Frymann D.O.) geht die Geburt immer mit einem erheblichen Geburtsstress einher, welche nicht immer in den APGAR (neonataler Vitalwert) gespiegelt wird. Wieviel Stress in den Strukturen übertragen würden, könnte durch eine entsprechende osteopathische Diagnostik bestimmt werden. Hier wäre eine breitere interdisziplinäre Arbeit willkommen um frühzeitig eine kurative und präventive Arbeit in der postnatalen Phase leisten zu können. 

Entscheidend bei der Spätfolge einer Traumatisierung ist die Frage, wieviel Funktion gestört oder verloren gegangen ist… auch Erwachsenen vergessen sogar ihre `Traumen`, sie sind nicht mehr im Bewusstsein präsent, sie sind nicht mehr abrufbar oder einfach nicht mehr existent.

Ein Trauma hinterlässt aus osteopathischer Sicht oft störende Eindrücke im Gewebegedächtnis. Dies führt meist zu einer Umstimmung der Funktionslage. Behauptet wird:  1. eine Kompensation wird infolgedessen eingeleitet, um die Grundfunktionen aufrechterhalten zu können, 2. diagnostisch kann u.a. durch innere Bewegungsanalysen die physiologische Bereitschaft einer Struktur  auf die Qualität und Quantität vorherrschenden Dynamiken zu reagieren, geprüft werden, 3. interpretiert werden können u.a. die bewegungsphysiologische Stimmigkeit, die Reaktivität, die Anpassungsfähigkeit, die Abwehrreaktion, die Höhe an Verdichtung, die Form, die Symmetrien, die Synchronverläufe sowie die Plastizität und die Trophizität einer Struktur.

Diese Eigenschaften sind aus meiner Sicht mögliche Indikatoren für die Bestimmung des Schweregrads eines Traumas. Ebenso gibt den Zeitabschnitt, welchen Strukturen benötigen, um ihre ganze Ausdehnung an Funktionsdefizite während einer Tastsinn-Diagnostik freizugeben, Aufschluss über  die Tiefenwirkung solcher Störungen. Die Defizite können über einen längeren Zeitraum durch den eigenen Selbstregulierungsmechanismus kompensiert werden. Die Einwirkung fortwährende innen- und außenwirkender Störkräfte können diese Kompensation kippen lassen. Vermutet wird, dass etwa ab diesem Zeitpunkt Beschwerden herausgelöst werden und die Symptomatik ihren Lauf nimmt.     

Tonskulptur: Monk (Foto, ARTe-Austellung, Sindelfingen 2017)

Künstlerin: Sabine Schirmer